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LINDNER: Die FDP verliert mit Klaus Kinkel einen väterlichen Freund

Zum Tod von Klaus Kinkel, Außenminister a.D.05.03.2019

Zum Tode des ehemaligen Bundesvorsitzenden Klaus Kinkel, Außenminister a.D., erklärt der FDP-Bundesvorsitzende Christian Lindner:

"Die Freien Demokraten trauern um ihren ehemaligen Bundesvorsitzenden Dr. Klaus Kinkel. Wir verlieren mit ihm einen väterlichen Freund.

Er war uns bis in diese Tage ein weiser und bisweilen leidenschaftlicher Ratgeber. Dabei war er immer loyal und diskret. Wir werden ihn sehr vermissen.
Klaus Kinkel verstand sich nie als Parteipolitiker, sondern im besten Sinne des Wortes als Staatsdiener. Er erwarb sich so große Verdienste und hat für unser Land und unsere Partei mehr bewirkt, als öffentlich mitunter wahrgenommen wurde.
Klaus Kinkel war seit Beginn der sozialliberalen Koalition ein enger Vertrauter und Wegbegleiter von Hans-Dietrich Genscher im Bundesministerium des Inneren, erst als persönlicher Referent, später als Leiter des Ministerbüros. Danach hat er wesentliche Grundlagen für die Vollendung der staatlichen Einheit Deutschlands gelegt, zunächst als Staatssekretär im Bundesministerium der Justiz und dann als Minister. Ihm ist es maßgeblich mit zu verdanken, dass dem Terror der RAF ein Ende gesetzt werden konnte.

Als Bundesaußenminister war er von 1992 bis 1998 bestrebt, um Vertrauen für das wiedervereinigte Deutschland zu werben. Stets war ihm dabei bewusst, dass gerade Deutschland auch Anwalt für die kleinen Mitgliedstaaten der EU sein muss.  Er mahnte, dass die internationale Staatengemeinschaft bei Völkermord und Verbrechen gegen die Menschlichkeit nicht wegsehen dürfe. Insbesondere die Gräueltaten in Srebrenica haben ihn tief und auf Dauer bewegt.

Als Bundesvorsitzender hat er sich von 1993 bis 1995 für unsere Partei in schwieriger Zeit in die Pflicht nehmen lassen und hat sie trotz damals schlechter Ausgangslage wieder in den Bundestag und die Bundesregierung geführt. Was er auch tat, er ist in rauem Umfeld ein prinzipientreuer, liebenswürdiger und bescheidener Mensch geblieben. Er wird uns fehlen."

Eine gute halbe Million fehlt zum Ausgleich im Haushaltsplan 2019

SIMMERATH Die Gemeinde Simmerath wird das laufende Haushaltsjahr mit einem Defizit von 544.600 Euro abschließen. Dies geht aus dem Haushaltsplan 2019 hervor, den der Gemeinderat am Dienstagabend mit großer Mehrheit verabschiedete. Lediglich die beiden Vertreter der UWG votierten gegen den vorgelegten Entwurf.

Kämmerer Bruno Laschet hatte den Haushaltsentwurf Anfang Dezember dem Haupt- und Finanzausschuss vorgelegt, das gleiche Gremium hatte dazu in seiner Sitzung am 5. Februar beraten und Änderungswünsche vorgetragen. In einem interfraktionellen Gespräch mit der Verwaltung vergangene Woche hatten CDU/Grüne, SPD, UWG und FDP ihre Änderungsanträge nochmals erörtert und teils Lösungen und Kompromisse erarbeitet.

Während die SPD in der Folge „aufgrund einer insgesamt zufriedenstellenden Finanzsituation“ und trotz Ablehnung einiger ihrer Anträge dem Haushalts dennoch zustimmte, beharrte die UWG auf ihren Änderungswünschen und lehnte die Finanzplanung insgesamt ab. Eine Diskussion zu den Änderungsanträgen gab es im Rat am Dienstagabend dann nicht mehr. Es blieb bei den Stellungnahmen der fünf Fraktionssprecher.

CDU: Attraktiver Standort

Dass es im laufenden Jahr noch nicht zum Haushaltsausgleich langt, liegt für CDU-Fraktionschef Christoph Poschen an der nach wie vor zu geringen Ausstattung der Kommunen mit Mitteln des Landes und des Bundes. „Dies fordern wir immer wieder hartnäckig ein – unabhängig davon, wer in Land oder Bund Verantwortung trägt“, sagte Poschen, der auch ein strengeres Wirtschaften seitens der Städteregion und anderer Umlageverbände anmahnten, an die Simmerath deutlich zu hohe Beiträge abführen müsse.

Gleichwohl dürfe man in Simmerath von stabilen Verhältnissen sprechen, was einer guten Konjunktur, aber auch der Attraktivität Simmeraths als Wohn- und Gewerbestandort geschuldet sei. Christoph Poschen verwies auf die niedrigen und stabilen Steuer- und Gebührensätze und steigende Einwohnerzahlen, die keineswegs selbstverständlich seien, wie man in den Nachbarkommunen sehe. Mit einer vernünftigen Politik werde man nach Lage der Dinge 2020 die „schwarze Null“ auch ohne Steuererhöhungen erreichen, „das ist eine tolle Perspektive für die Zukunft“, sagte der Unionssprecher. Auch wenn die Gemeinde dann immer noch nicht schuldenfrei sei, sei doch hervorzuheben, „dass in der Dekade zwischen 2013 und 2022 langfristig Verbindlichkeiten von 13 Millionen Euro abgebaut werden können“, rechnete Poschen vor.

Bei allem Schuldenabbau sei es aber dennoch wichtig, die Weiterentwicklung der Gemeinde tatkräftig anzupacken, meinte der Fraktionsvorsitzende und listete die Realisierung von Baugebieten in Lammersdorf, Simmerath und Steckenborn, Investitionen in die Schulen, das Feuerwehrgerätehaus Rollesbroich, das Toilettenhaus am Bushof Simmerath und die Gebäudeunterhaltung auf. Am Herzen liege der CDU auch die Straßenunterhaltung, weshalb man in Absprache mit den übrigen Fraktionen den Ansatz für das Instandsetzungsprogramm auf 250.000 Euro – plus 50.000 Euro für Wirtschaftswege – angehoben habe. Nach dem sehr günstigen Ausschreibungsergebnis für das im November beschlossene Instandsetzungsprogramm könnten eventuell weitere Maßnahmen der Prioritätenliste in Höhe von 50.000 Euro realisiert werden, hofft die CDU. 

Ablehnend äußerte Christoph Poschen sich für die CDU zu weiteren Anträgen von SPD und UWG. Die bauliche Verbesserung von Langschoß sei ebenso unabdingbar wie die Förderung des Radtourismus‘ am Rursee. Und eine Unterstützung der Familien bei den OGS-Beiträgen sei zwar sicherlich sinnvoll, müsse aber zunächst intensiv im Fachausschuss beraten werden, meinte Poschen.

Der CDU-Sprecher sprach abschließend von einem „Haushalt, der solide aufgestellt ist, und dankte der Verwaltung „für ihre gute Arbeit“.

SPD: Positive Entwicklung

SPD-Sprecher Gregor Harzheim sprach von einer „insgesamt positiven Finanzentwicklung“ und bezeichnete das Szenario des Haushaltsausgleichs 2020 als „nach wie vor realistische Perspektive“. Harzheim lobte verträgliche Steuer- und Gebührensätze und die weitere Entschuldung um 1,5 Millionen Euro, für die es aber auch höchste Zeit werde, nachdem man seit 2008 22,4 Prozent des Eigenkapitals aufgezehrt habe. 

Harzheim ging auf die SPD-Initiative zur Aussetzung der Erhebung von Straßenausbaubeiträgen ein und begrüßte es ausdrücklich, dass die Gemeinde bis Ende Juni keine Beiträge dazu erhebe. Er hob die Einnahmen aus der Windkraft hervor, auch wenn deren Ausbau in Waldgebieten ökologisch nicht unproblematisch und für das Landschaftsbild nicht förderlich sei. „Aber wenn wir aus Atomkraft und Kohle aussteigen wollen, müssen wir etwas tun, damit der Strom auch zukünftig aus unseren Steckdosen kommt.“

„Keine umfassenden Einsparmöglichkeiten“ sieht die SPD auf der Ausgabenseite. Große Sorgen bereite dabei aber die Städteregionsumlage, besonders die Perspektive für die kommenden Jahre. „Seit Jahren vermissen wir bei der Städteregion einen ernsthaften Sparwillen, und die Hoffnung auf die einst versprochenen Synergieeffekte hat wohl niemand mehr“, meinte Gregor Harzheim, der feststellte: „Das System, dass die Städteregion das Geld ausgibt und dieses Geld dann von den Kommunen beim Bürger eintreiben lässt, hat sich nicht bewährt“, übte er vor allem Kritik an der schwarz-grünen Mehrheit im Städteregionstag.

Beim Blick auf die Investitionen fand Gregor Harzheim kritische Worte zur Schulpolitik der Ratsmehrheit. CDU und Grüne hätten „ohne Not den Grundschulstandort Kesternich geschlossen“, doch nun nehme die Schülerzahl stetig zu und müsse die Grundschule Steckenborn erweitert werden. Man trage den Kostenansatz von 645.000 Euro dennoch mit, da man das Versagen in der Grundschulpolitik nicht auf dem Rücken von Eltern und Kindern austragen wolle, meinte der Sozialdemokrat. Die SPD bekenne sich auch zur Sekundarschule wie zur Förderschule und habe zur Stärkung der schulischen Infrastruktur den Zuschuss zu den OGS-Kosten beantragt, der aber von der Mehrheit „leider ebenso abgelehnt wurde wie die Streichung der Investitionen für die Sammelunterkunft Langschoss“, für die man so schnell wie möglich eine Alternative benötige.

Als Investitionen in die Infrastruktur zählte Gregor Harzheim die Verbesserung des Personennahverkehrs, das gemeindliche Gebäudemanagement und die Instandhaltung der Gemeindestraßen auf, wobei er hier die Positionen von Mehrheit und Opposition in vielen Punkten auf Augenhöhe sah. Bezüglich der städtebaulichen Entwicklung des Zentralortes warnte Gregor Harzheim vor „Gigantismus“ und rief stattdessen dazu auf, „auch die Wurzeln Simmeraths zu bewahren und zu pflegen“.

Insgesamt zeichne der Entwurf der Haushaltssatzung „ein zufriedenstellendes Bild von der finanziellen Situation der Gemeinde“, meinte der SPD-Sprecher abschließend. Da zudem zahlreiche Initiativen und Forderungen der SPD von der Verwaltung ganz oder teilweise aufgegriffen worden seien, könne die SPD dem Haushaltsentwurf zustimmen.

UWG: Städteregion bremst

Auch Reinhold Köller sprach von einer insgesamt positiven Entwicklung des Simmerather Haushalts. „Von einer gigantischen Schuldenmaschine ist die Gemeinde nun auf dem Weg zu einem ausgeglichenen Haushalt“, meinte Köller und nannte als Gründe dafür die anhaltend gute wirtschaftliche Entwicklung im Land, „paradiesisch“ niedrige Zinsen, neue Einnahmequellen wie die Windkraft, „die Lage Simmeraths im Zentrum Europas“, die fleißige Bevölkerung und faktische Vollbeschäftigung sowie „eine gute Wirtschaftsstruktur mit Gewerbe, Handel, Tourismus und Landwirtschaft“. Die Städteregion bezeichnete der UWG-Sprecher als „Bremse für einen auskömmlichen Haushalt“, dies vor dem Hintergrund einer stetig steigenden, ausufernden Umlage. Mit dem neuen Städteregionsrat Grüttemeier verbinde die UWG die Hoffnung, dass sich die Behörde auf ihre Kernaufgaben konzentriere und die Umlage gesenkt werden könne, sagte Köller.

Als „nicht zielführend“ bezeichnete Reinhold Köller die Planungen zur Infrastrukturentwicklung des Zentralortes – Umgestaltung Bushof und „Neue Mitte Simmerath“ – und verwies auf den Änderungsantrag der UWG. Da dieser jedoch ebenso wie der UWG-Antrag auf mittelfristige Aufgabe der Sammelunterkunft Langschoss von der Ratsmehrheit abgelehnt wurde, stimmten die beiden UWG-Vertreter dem Gesamthaushalt 2019 nicht zu.

Grüne: Möglichkeiten aufgezeigt

Klaus Stockschlaeder wunderte sich über die Haltung der Oppositionsfraktionen zu Langschoß, Radtourismus und Zentralort-Planung und zeigte auf, warum seine Fraktion hier auf einer Linie mit der CDU liege. Klar bekannte er sich für seine Fraktion auch zu Windkraft, Photovoltaik auf Gemeindegebäuden und zur Schaffung von neuem (Sozial-)Wohnraum.

Der Haushalt zeige „zahlreiche Möglichkeiten der Entwicklung unserer Gemeinde auf, an denen wir alle gemeinsam arbeiten können“. Der Haushaltsausgleich sei in Sicht, die Verschuldung sinke, und Steuern und Gebühren blieben zugunsten der Bürger stabil, meinte der Grünen-Sprecher und dankte dem Kämmerer für seine „stets mahnenden Worte zur Sparsamkeit“.

FDP: „Es wird langsam ...“

„Es wird langsam“, begann FDP-Sprecher Ben Steinborn seine Haushaltsrede und bezeichnete das Defizit von 550.000 Euro als „erträglich, wenn man absehen kann, dass ein ausgeglichener Haushalt 2020 greifbar nahe ist bei gleichzeitig reduzierten Schulden“. Eine nachhaltige Entwicklung der ganzen Gemeinde scheine möglich und lasse positiv in die Zukunft blicken, meinte Steinborn. Leise Kritik übte der FDP-Sprecher an der Intransparenz einiger Ansätze, bei denen man sich als Fraktion schlicht auf die Erfahrung der Verwaltung und ihrer Mitarbeiter verlassen müsse.

Kritisch bezog Steinborn auch Stellung zu einigen Punkten im Haushalt, so zum 400.000-Euro-Ansatz beim Immobilienmanagement. „Wir unterstützen die Ausgabe, aber dafür fordern wir jetzt auch einmal eine Beratung dazu ein, wie wir mit unseren Immobilien in den nächsten Jahren umgehen. Was halten wir instand, was verkaufen wir, was verschenken oder überschreiben wir?“, fragte Steinborn. Die FDP unterstütze auch die Planungskosten für das Handlungskonzept zum Zentralort, trage aber nicht alle Ansätze aus dem Konzept von Professor Jahnen mit, meinte er. 

Ben Steinborn kündigte überdies an, in den nächsten Wochen einen Antrag zu verstärkter interkommunaler Zusammenarbeit der Nordeifelgemeinden vorzulegen.

Simmerath im Niemandsland?

24. Februar 2019

Die Simmerather Liberalen kritisieren die „Nichtauffindbarkeit“ des Zentralortes

 



Jahrzehntelange Treue zur FDP: Beim Ortsparteitag der Simmerather Liberalen ehrte Vorsitzender Ben Steinbon (li.) die Mitglieder Klaus Achenbach (mi.) und Hermann-Josef Bongard für 50- bzw. 40-jährige Parteizugehörigkeit. Foto: P. Stollenwerk

Simmerath. Einen „speziellen“ Kommunalwahlkampf erwarten die Simmerather Liberalen, wenn im Herbst 2020 in NRW die Räte neu gewählt werden. „Ich rechne damit, dass dann auch in der Eifel AfD und Linke aufschlagen werden“, sagte Ben Steinborn, der Vorsitzende des FDP-Ortsverbandes Simmerath beim Parteitag der Liberalen, der jetzt in kleiner Runde im Weinkeller der Vinothek in Simmerath stattfand.

Er wisse bereits von konkreten Aktivitäten in Monschau und Roetgen in dieser Richtung. Sollten die genannten Parteien sich in Stellung bringen, „dann wird das eine große Herausforderung“, meinte der Chef des derzeit 19 Mitglieder starken Simmerather FDP-Ortsverbandes Simmerath. Offen ließ Steinborn noch, ob die Liberalen einen eigenen Bürgermeisterkandidaten ins Rennen schicken werden. Vor allem im Hinblick auf den anstehenden Wahltermin wolle man die Mitgliederwerbung noch einmal verstärken. Zu Gast beim Ortsparteitag war auch Patrick L. Schunn, der Kandidat der FDP für die Europawahl am 26. Mai.

Rückblickend auf 2018 sprach Steinborn von einem „ruhigen Jahr ohne große Ereignisse“. Zufrieden zeigte er sich mit dem Klima und der Kommunikation im Gemeinderat. Die Querelen anderer Parteien im Rat wolle man nicht kommentieren.

An der Verbesserung der interkommunalen Zusammenarbeit möchte die FDP weiterhin arbeiten, auch wenn die Kooperation nicht so recht in Schwung komme. Eine Ausnahme sei die Solidarität in Zusammenhang mit der Hebammen-Krise im Krankenhaus Simmerath gewesen. Auch wenn der Rat letztlich wenig Einfluss auf die Auseinandersetzung habe nehmen können, bescheinigte er dem Bürgermeister, in dieser Phase „gute Arbeit“ geleistet zu haben. Weniger freundlich fiel die Betrachtung des FDP-Ortsverbandes zum Dauerbrenner Immobilien-Management der Gemeinde Simmerath aus. „Hier passiert nichts“, mahnte Steinborn dringenden Handlungsbedarf an. Man müsse endlich über eine Entscheidungsgrundlage verfügen, wie die Gemeinde ihren Gebäudebesitz künftig verwalten wolle.
Pech gehabt: Simmerath ist zwar der größte Ort im Süden der Städteregion, liegt aber nicht an der B 258. Daher sucht man auch auf vielen Schildern die entsprechenden Hinweise vergeblich. Foto: Archiv/P. Stollenwerk

Ein Dorn im Auge ist den Liberalen auch seit langem, dass Simmerath in der Beschilderung nach wie vor vernachlässigt werde. „Jede Hundehütte in der Nordeifel ist leichter zu finden als Simmerath“, schimpfte der Vorsitzende, und zielte dabei auf die fehlende Straßenbeschilderung ab der Autobahn Aachen. Von Straßen.NRW hatte der Vorsitzende die lapidare Antworte erhalten, dass Simmerath im Gegensatz zu Monschau nicht an einer Bundesstraße liege, die von Aachen aus in Richtung Süden führe. Auch in vielen Wander- und Freizeitführern tauche Simmerath „generell nicht auf“, hatte Steinborn herausgefunden, der ankündigte, den Bürgermeister in die FDP-Initiative für eine bessere Beschilderung einzubinden.


In seinem Bericht aus dem Gemeinderat hielt Ratsherr Ben Steinborn zunächst einmal fest, dass es für die FDP als kleine Partei „wirklich schwierig ist“, in der Kommunalpolitik mitzuwirken. Er sprach von “gefühlt 50 Bebauungsplanänderungen“, die im vergangenen Jahr beraten worden seien. Ein „gutes Signal“ sah er im noch leicht defizitären Haushaltsentwurf 2019, der einen Ausgleich im Jahr 2020 erwarten lasse. Dennoch erscheine ihm das Zahlenwerk in vielen Punkten als „intransparent“. Im Etat seien zwar zahlreiche Projekte verankert, die aber häufig unter dem Hinweis auf die Arbeitsüberlastung der Verwaltung letztlich unberührt blieben. Steinborn: „Was bringen uns zur Verfügung gestellte Mittel, wenn die Projekte nicht umgesetzt werden können?“ Als „nicht sinnvoll“ bezeichnete er in diesem Zusammenhang die geplante Umgestaltung des Bushofes. Diese Konzeption werde die FDP nicht unterstützen. Da seien andere Vorhaben wichtiger, wie beispielsweise die Ausweisung neuer Baugebiete im Zentralort Simmerath und dessen Weiterentwicklung insgesamt oder auch ein Bürger- und Kulturzentrum anstelle des Musikpavillons, der inzwischen „zum bunt lackierten sozialen Brennpunkt in Simmerath geworden ist.“

Als unbedingt erforderlich sah der FDP-Vertreter auch die Aufstockung des Ansatzes für die Straßeninstandsetzung auf jährlich 300.000 Euro, um dem Unterhaltungsstau beizukommen. Als Beispiel nannte er die marode Woffelsbacher Straße zwischen Woffelsbach und Rurberg.

In diesem Kontext griff Hermann-Josef Bongard, für die FDP Mitglied im Strukturausschuss, das Thema Anliegerbeiträge auf. „Davon sollten wir uns verabschieden“, forderte er. Die Erhebung der Beiträge für die Straßenausbaukosten bezeichnete er als „großes Ärgernis und Bürokratiemonster“. Eine Abschaffung der Beiträge, die sich künftig Land und Kommunen zu je 50 Prozent teilen könnten, würde zu erheblichen Personaleinsparungen in den Verwaltungen führen.

Die beschlossene Verbesserung beim ÖPNV bezeichnete Bongard als „sinnvolle Sache“; ebenso zu begrüßen seien die Bemühungen zur Verbesserung des Mobilfunknetzes. In Eicherscheid, Rollesbroich, Strauch und Steckenborn suche man Standorte für Mobilfunkmasten.

Harsche Kritik übte der ehemalige langjährige Ratsvertreter am regionalen Energieplan der Städteregion Aachen, die vor dem Hintergrund erstellt wurde, dass künftig 75 Prozent des Strombedarfs aus regenerativen Energiequellen bezogen müssten. Eine in diesem Zusammenhang erstellte Studie spreche von 50 Standorten für Windkraftanlagen im Waldgebiet zwischen Roetgen und Simmerath. „Diesen Vorschlag bezeichnete Bongard als „haarsträubend und nicht umsetzbar“. Die Studie sei weit entfernt von einem seriösen Beitrag zum Klimaschutz.

Den Liberalen seit Jahrzehnten treu

Der Ortsparteitag der FDP Simmerath bot auch den passenden Rahmen, um verdiente Mitglieder zu ehren. Seit 50 Jahren gehört Klaus Achenbach (Lammersorf) den Liberalen an, seit 40 Jahren Jahren ist Hermann-Josef Bongard (Woffelsbach) Mitglied. In Abwesenheit wurde auch Peter Treutwein (Rollesbroich) geehrt, der seit 30 Jahren der Partei angehört.

von P. Stollenwerk
Aachener Zeitung, 24.02.2019

 

Betroffenheit in der Städteregion: Hans-Josef Hilsenbeck gestorben

 

STÄDTEREGION Noch am Sonntagmittag hatte Hans-Josef Hilsenbeck in seiner Funktion als 1. stellvertretender Städteregionsrat einen repräsentativen Termin wahrgenommen und in Herzogenrath am traditionellen „Tag der offenen Tür“ der Roda-Schule teilgenommen; am Abend ereilte ihn dann in seinem Wohnhaus in Simmerath-Dedenborn der Tod. Kurz zuvor hatte er über Unwohlsein geklagt.

Der plötzliche Tod des weithin beliebten und geachteten Kommunalpolitikers hat viele Wegbegleiter und Bürger mit großer Trauer und Betroffenheit erfüllt. Der 76-Jährige stand mitten im aktiven Leben, und fühlte sich auch im fortgeschrittenen Alter der Region und den Menschen als politischer Mitgestalter noch im hohem Maße verpflichtet. Hilsenbeck prägte über fast vier Jahrzehnte die Kommunalpolitik in Simmerath und darüber hinaus.

Hans-Josef Hilsenbeck stammt aus Trier und zog vor gut 50 Jahren in die Nordeifel. In seiner geliebten Wahlheimat im idyllischen Dedenborn im Rurtal war er schon bald geachtet und ein gefragter Ratgeber auf vielen Ebenen.

Hans-Josef Hilsenbeck zog es nur selten ins Licht der Öffentlichkeit. Ob als langjähriger Ratsvertreter und Ortsvorsteher in der Gemeinde Simmerath oder später in der Städteregion Aachen: Hilsenbecks Stärken waren nicht große Reden und Selbstdarstellung. Vielmehr beherrschte er die Kunst des Verhandelns und auch des Taktierens.

Er war ein Diplomat, aber nicht um jeden Preis. Findig, gewandt, klug und wohldurchdacht und auch mitunter emotional, aber stets auf der Grundlage eines soliden Sachwissens und mit einem guten Netzwerk ausgestattet, legte er die Messlatte in der politischen Auseinandersetzung gerne etwas höher.

Seine Diskussionsführung war stets geprägt von Respekt und Weitblick. Hans-Josef Hilsenbeck wurde bei seiner politischen Arbeit von der Zielsetzung gelenkt, dass am Ende das beste Ergebnis für die Menschen und die Region stehen muss. Wenn andere reflexartig Porzellan zerschlugen, galt es für Hilsenbeck zunächst einmal abzuwägen und einen Plan aufzustellen. Die wirklich wichtigen Gespräche und Verhandlungen führte er abseits der öffentlichen, politischen Bühne.

Er ließ sich nicht verbiegen, aber mit guten Argumenten konnte man ihn durchaus überzeugen. Diese Charakterstärke war es, mit der er bei den Menschen großes Vertrauen und eine hohe Verlässlichkeit erreichte. Die stets überragenden Ergebnisse bei den Kommunalwahlen unterstreichen seine hohe Integrität.

Auf die Menschen zugegangen

„Ich möchte auf die Menschen zugehen, ihre Anregungen und Kritik aufnehmen und nach Lösungen suchen“, sagte er einmal im Gespräch mit dieser Zeitung. Hans-Josef Hilsenbeck, CDU-Politiker aus Überzeugung, genoss nicht nur in der eigenen Partei Anerkennung und Vertrauen, auch seine politischen Gegenspieler begegneten ihm mit Respekt.

Tief betroffen zeigte sich am Montag auch Städteregionsrat Helmut Etschenberg: „Mit Hans-Josef Hilsenbeck verliere ich persönlich einen verlässlichen Freund und wertvollen Weggefährten, die Städteregion Aachen einen herausragenden Botschafter und die Eifel einen respektierten Fürsprecher“, sagte Etschenberg, der auch in seiner langjährigen Zeit als Monschauer Stadtdirektor das politische Wirken von Hans-Josef Hilsenbeck schätzen lernte.

„Simmerath hat Hans-Josef Hilsenbeck sehr viel zu verdanken. Sein Tod hat mich sehr betroffen gemacht“, sagte am Montag Karl-Heinz Hermanns, Bürgermeister der Gemeinde Simmerath, der hinzufügt, „dass Hans-Josef Hilsenbeck für mich immer ein hochkompetenter Ratgeber war“. Als Vollblut-Politiker habe er stets die Interessen seines Heimatortes, der Gemeinde Simmerath und der Region bürgernah und erfolgreich vertreten.

Mit seinem Tod verliere Simmerath einen seiner bedeutendsten Politiker. „Die Lücke, die er hinterlässt, wird kaum zu schließen sein“, ergänzt Hermanns, der Hilsenbeck als einen Politiker bezeichnet, der „nie die Konfrontation gesucht hat sondern mit seiner wohlüberlegten Art versuchte, auch schwierige Situationen zu meistern. Er war kein Polemiker sondern immer vorausdenkend“.

Hans-Josef Hilsenbeck wurde am 21. November 1941 in Trier geboren und zog Mitte der 1960er Jahre nach Dedenborn. Beruflich tätig war er als Oberstudienrat am Berufskolleg in Kall tätig. 1964 wurde er Mitglied der CDU. Von 1979 bis 2014 (also sieben volle Wahlperioden) war er ohne Unterbrechung Ratsmitglied in Simmerath und von 1979 bis 1999 Ortsvorsteher von Dedenborn. Ab Ende 1998 bekleidete er zudem noch das Amt des 1. stellvertretenden Bürgermeisters der Gemeinde Simmerath bis zum Jahr 2009. Zwischen 2009 und 2014 war er noch einmal für eine Wahlperiode Ortsvorsteher von Dedenborn.

In zahlreichen Gremien

Im Jahr 2011 wurde Hilsenbeck mit der Ehrennadel der Gemeinde Simmerath in Gold ausgezeichnet, und 2014 wurde ihm die Ehrenbezeichnung „Ehrenratsherr“ verliehen. Dem Kreistag bzw. dem späteren Städteregionstag gehörte Hans-Josef Hilsenbeck seit 1984 an. Seit 1974 bereits war er Mitglied der Landschaftsversammlung.

Ab 1984 war Hilsenbeck auf Kreisebene Vorsitzender des Tourismus- und Kulturausschusses wie auch viele Jahre im Jugendhilfeausschuss engagiert. Auch dem Schullandheimverein Paustenbach zeigte sich Hans-Josef Hilsenbeck jahrzehntelang als Vorsitzender verbunden. Kreis und Städteregion Aachen vertrat er über Jahre hinweg in weiteren Beiräten, Aufsichtsräten und Gesellschafterversammlungen.

Seit 2009 bekleidete er das Amt des 1. stellvertretenden Städteregionsrates. In dieser Funktion vertrat er die Städteregion bei einer Vielzahl von Gelegenheiten, wobei er stets versuchte, den Menschen nah zu sein — unbürokratisch, offen und ehrlich.

11.12.2017

Liberaler Frühschoppen in Simmerath

06. August 2017

Interessante Gespräche mit den Freien Demokraten


weitere Bilder finder Sie unter www.flickr.com/photos/fdp-aachen-land

Simmerath. Der FDP-Ortsverband Simmerath hat - im Sinne einer gemeinsamen Nordeifelkommune - zusammen mit den Ortsverbänden Monschau und Roetgen zum liberalen Frühschoppen geladen und wurde mit vielen Gästen belohnt. Unter den „Promis“ befanden sich Dr. Werner Pfeil, frisch gebackener Landtagsabgeordneter, Frank Schniske und Markus Herbrand, beides Kandidaten für den Bundestag sowie Karl-Heinz Hermanns, Bürgermeister der Gemeinde Simmerath und Jorma Klauss, Bürgermeister der Gemeinde Roetgen. Bei Gegrilltem, kühlem Bier und strahlendem Sonnenschein nutze man die Gelegenheit dann auch ausgiebig zum politischen Meinungsaustausch.